Duft, Emotion und Erinnerung: Warum Gerüche so unmittelbar wirken

von admin | Aug. 31, 2026 | Aroma & Pflanzenwissen

Ein bestimmtes Parfum, der Geruch von Sonnencreme, frisch gemähtem Gras oder einem bestimmten Essen – und plötzlich ist da nicht nur eine Erinnerung, sondern manchmal auch das Gefühl, das mit ihr verbunden war. Gerüche haben eine besondere Verbindung zu unserem emotionalen Gedächtnis. Das Riechsystem steht in enger Verbindung mit Hirnregionen wie der Amygdala und dem Hippocampus, die wesentlich an der Verarbeitung von Emotionen, Lernen und Erinnerungen beteiligt sind. Dadurch können Düfte autobiografische Erinnerungen besonders unmittelbar und teilweise sehr lebendig hervorrufen.

Dieses Phänomen wird häufig als „Proust-Phänomen“ bezeichnet. Untersuchungen zeigen, dass durch Gerüche ausgelöste Erinnerungen sich teilweise von jenen unterscheiden, die beispielsweise durch Bilder oder Worte hervorgerufen werden. Dabei spielt jedoch nicht nur der Duft selbst eine Rolle, sondern auch das, was wir im Laufe unseres Lebens mit ihm verknüpft haben. Ein Geruch, der für einen Menschen Geborgenheit bedeutet, kann für einen anderen vollkommen neutral oder sogar unangenehm sein. Unsere Erfahrungen prägen also mit, welche emotionale Bedeutung ein Duft für uns bekommt.

Das macht auch den Umgang mit ätherischen Ölen interessant. Sie enthalten pflanzliche Inhaltsstoffe, gleichzeitig nehmen wir sie über einen Sinn wahr, der eng mit Emotion, Erinnerung und erlernten Assoziationen verbunden ist. Lavendel ist dafür ein bekanntes Beispiel. Die Europäische Arzneimittel-Agentur führt Lavendelöl aufgrund seiner langjährigen traditionellen Anwendung unter anderem zur Linderung leichter Symptome von mentalem Stress und Erschöpfung sowie zur Unterstützung des Schlafs. Gleichzeitig weist sie darauf hin, dass die klinische Evidenz nicht ausreicht, um daraus für alle vermuteten Wirkungen einen gesicherten Wirksamkeitsnachweis abzuleiten.

Vielleicht liegt gerade darin das Spannende am Thema Aroma und Pflanzenwissen: Ein Duft ist nicht nur ein angenehmer Geruch. Er ist gleichzeitig Sinnesreiz, pflanzlicher Stoff und möglicherweise Teil unserer ganz persönlichen Lerngeschichte. Und manchmal reichen wenige Sekunden, um eine Erinnerung oder ein Gefühl hervorzuholen, von dem wir gar nicht wussten, dass es noch so präsent gespeichert ist.

Quellen

Larsson M., Willander J. (2009): Autobiographical odor memory. Annals of the New York Academy of Sciences, 1170, 318–323.

Hackländer R. P. M., Janssen S. M. J., Bermeitinger C. (2019): An in-depth review of the methods, findings, and theories associated with odor-evoked autobiographical memory. Psychonomic Bulletin & Review, 26, 401–429.

Soudry Y. et al. (2011): Olfactory system and emotion: common substrates. European Annals of Otorhinolaryngology, Head and Neck Diseases, 128(1), 18–23.

European Medicines Agency (EMA), Committee on Herbal Medicinal Products (HMPC): Lavandula angustifolia Mill., aetheroleum – European Union herbal monograph / assessment.